21/08/2008
NEUE WELLE RASSISTISCHER GEWALT GEGEN VIETNAMESEN
Immer wieder werden Vietnamesinnen und Vietnamesen in Ostdeutschland Ziel von brutalen Übergriffen.
Anfang August 2008 wurde der Vietnamese Cha Dong N. in Berlin-Marzahn
ermordet. Der Mörder Tino W. (35) des vietnamesischen
Zigarettenverkäufers hatte sich in der Vergangenheit bereits mehrfach
rassistisch über „diese Fidschis“ geäußert und angekündigt, selbst
etwas zu unternehmen. Der Opferfonds CURA stuft diesen Mord als
rassistisch ein. Damit ist Cha Dong N. das 139. Opfer rassistischer und
rechtsextremer Gewalt seit der Wende in Deutschland. Dieser Mord ist
kein Einzelfall, sondern die Spitze des Eisberges der Gewalt gegen
Vietnamesen.
Mitte Februar hatten bereits zwei jugendliche Schläger es auf
Vietnamesen in Marzahn abgesehen. Die Hetze begann mit der Jagd auf
einen vietnamesischen Zigarettenverkäufer, wenige Minuten später wurde
eine 36-jährige Vietnamesin mit Kinderwagen angegriffen und mit Steinen
beschmissen. Mit Beschimpfungen wie „Hau ab, Fidschi, was machst du
hier?“ beleidigten sie ihre Opfer. Besonders häufen sich Brandanschläge
auf vietnamesische Imbisse und Verkaufsstände, für die der Opferfonds
CURA der Amadeu Antonio Stiftung Spenden sammelt. Unterstützt werden
konnten bis jetzt Imbisse und Verkaufsstände in Berlin, Brandenburg und
Sachsen-Anhalt.
Trauriger Höhepunkt rassistischer Gewalt
Bereits in der DDR waren Vietnamesen und andere Vertragsarbeiter
rassistischen Äußerungen und Übergriffen ausgesetzt. Einen traurigen
Höhepunkt dieser rassistischen Anfeindungen stellten die Ereignisse von
Rostock-Lichtenhagen dar. Die pogromartigen Ausschreitungen gegen
vietnamesische Asylbewerber, deren Wohnhaus im August 1992 von einer
Gruppe Neonazis unter dem Applaus hunderter Schaulustiger in Brand
gesteckt wurde, waren nur die Spitze eines Eisbergs, der Jahre vor dem
Mauerfall schon zu wachsen begann. Im Rahmen eines geförderten
Projektes der stern-Aktion „Mut gegen rechte Gewalt“ wird die
Geschichte der vietnamesischen Vertragsarbeiter aufgearbeitet.
Lesen Sie mehr über das geförderte Projekt:
http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/aktuelles/mut-projekt-5/