
KIEFERBRÜCHE, NASENBEINBRUCH UND SCHÄDELBASISTRAUMA NACH RECHTSEXTREMEM ÜBERFALL
Ein
43-jähriger Leipziger portugiesischen Ursprungs wird Anfang 2008 Opfer eines
brutalen rechtsextremistischen Überfalls. Damit er trotz hoher Arzt-,
Krankenhaus- und Medikamentenkosten finanziell abgesichert ist, unterstützt ihn
nun der Opferfonds CURA. Um die schrecklichen Erlebnisse verarbeiten zu können,
erhält er zusätzliche Hilfe von der Opferberatung der RAA in Sachsen.
Der
Opferfonds CURA leistet seit 1993 finanzielle Unterstützung für Menschen, die
Opfer rechter Gewalt wurden. Im Mittelpunkt steht dabei die unmittelbare,
nachhaltige und vor allem unkomplizierte Hilfe. Die RAA ist ein Verein für
interkulturelle Arbeit, Jugendhilfe und Schule und bietet unter anderem auch
eine Opferberatung an.
Der
Überfall passierte in der Nacht vom 31.01.2008 im Leipziger Stadtteil Thekla.
Vier Jugendliche zwischen 17 und 19 Jahren sprechen den Mann an und verlangen
von ihm Geld für Zigaretten. Er kann es ihnen nicht geben. Daraufhin
beschimpfen sie ihn als „Scheiß Ausländer“ und nehmen ihm als „Ersatz“ für das
Zigarettengeld sein Handy ab. Doch damit nicht genug. Die vier jungen Neonazis
schlagen ihrem Opfer mit Fäusten ins Gesicht und, als er bereits wehrlos am
Boden liegt, treten sie weiter auf den Mann ein. Er schafft es, schwer verletzt
zu fliehen. Ein Passant, der zufällig vorbeikommt, verständigt die Polizei, die
den Fall aufnimmt und den Mann anschließend ins Krankenhaus bringt. Die Ärzte stellen
zwei Kieferbrüche, die operiert werden müssen, einen Nasenbeinbruch, ein
Schädelbasistrauma und mehrere Schürfwunden am ganzen Körper fest.
Der
Mann kennt seine Peiniger, zwei der Täter stammen aus seinem direkten
Wohnumfeld. Als er sie bei der Polizei anzeigt, bedrohen die Täter ihn und
seine Lebensgefährtin. Sie stehen mehrfach vor seiner Haustür und verlangen,
dass die Anzeige zurückgenommen wird. Aus Angst vor einem weiteren Übergriff
der Neonazis muss er vorübergehend zu seiner Lebensgefährtin ziehen. Auch die
Polizei rät ihm dringend zu einem dauerhaften Umzug, da seine Sicherheit in dem
alten Umfeld nicht gewährleistet ist. Die Arbeitsagentur erkennt diese
Notwendigkeit jedoch nicht. Der gesundheitliche Zustand verschlechtert sich, es
treten Komplikationen am operierten Kiefer auf. Der Mann muss drei Monate nach
dem Überfall erneut operiert und stationär im Krankenhaus behandelt werden. Zu
den körperlichen Problemen kommen auch noch die psychosomatischen Folgen des
Überfalls. Das Opfer kann keinerlei feste Nahrung mehr zu sich nehmen und muss
ein drittes Mal stationär im Krankenhaus behandelt werden. Auch heute kommt der
Mann noch immer nicht mit seinem Alltag zurecht, die psychischen Folgen des
Angriffs sind zu schwerwiegend. Er leidet unter massiven Angstzuständen und
Alpträumen. Der operierte Kiefer verursacht außerdem auch weiterhin starke
Schmerzen und es ist nicht einmal sicher, ob überhaupt eine komplette Heilung
möglich ist.
Durch
den Überfall entstanden dem Opfer hohe Kosten. Zumindest darum muss der Mann
sich nun keine Sorgen mehr machen, die finanzielle Unterstützung von 1000€
deckt diese teilweise ab. Auch die Anwalts- und Gerichtskosten und vor allem
der geplante Umzug können mit dem Geld finanziert werden, sodass das Opfer nun
bald zumindest in einem sichereren Umfeld wohnen und dadurch vielleicht auch
bald wieder in sein „normales“ Leben zurückfinden kann.
Diana Eichhorn, Sozialpädagogin;
Franz Eder, Sozialpädagoge
(0341) 26 18 647
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