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Jahresbilanz 2014

Wie wichtig bundesweite Beratungsangebote sind, zeigt die Liste rechter Gewalt: Diese ist genauso lang wie schockierend. Angesichts der traurigen Realität alltäglicher rechtsextremer Gewalt in Deutschland sind Projekte wie der Opferfonds CURA unerlässlich, um Betroffenen Unterstützung bieten zu können. Mit Mitteln des Fonds konnten im Jahr 2014 bisher 25 Betroffene rechter Gewalt und Opferberatungsstellen mit insgesamt 26.372,33 Euro finanziell unterstützt werden.

Theoretisch gibt es zwar die Möglichkeit Hilfeleistungen aus staatlichen Töpfen zu erhalten: Hohe bürokratischer Hürden verhindern jedoch, dass diese erfolgreich in Anspruch genommen werden können. Betroffene rechter Gewalt brauchen aber direkt Hilfe. Nach einem Angriff leben sie in Angst und sind traumatisiert. Da muss ein Umzug schon mal schnell finanziert werden, wenn die eigene Wohnung nicht mehr sicher ist, weil stadtbekannte Neonazis die Privatadresse aufgespürt haben.

Diese Erfahrung musste eine junge Frau aus dem Ruhrgebiet durchleben. Sie wurde von einer Gruppe Neonazis brutal zusammengeschlagen. Mit Verdacht auf Schädelbasisbruch wird sie ins Krankenhaus eingewiesen. Er erhärtet sich jedoch zum Glück nicht. Seit dem Angriff leidet sie aber immer wieder unter Kopfschmerzen. Im anschließenden Verfahren gegen die Täter wird die junge Frau auch weiterhin durch die Täter verbal bedroht. Ihr Anwalt erwirkt daher die Anonymisierung sämtlicher Kontaktdaten der Nebenklägerin. Dennoch sickert ihre Adresse bei dem Verfahren durch. Die Betroffene fühlt sich seit Bekanntwerden ihrer Wohnadresse nicht mehr sicher. Der Opferfonds CURA hilft der jungen Frau einen Umzug zu ermöglichen.

Aber auch Gerichts- und Anwaltskosten der Opfer müssen zunächst bezahlt werden. Denn die Täter, soweit man sie ermitteln kann, sind meist nicht in der Lage, die Kosten für ihre Verbrechen zu tragen. Zudem werden Betroffene oftmals nicht auf staatliche Möglichkeiten der Kostenübernahme hingewiesen.

Lücken staatlichen Handelns

So auch Frau N. Sie ist die Witwe des von Neonazis getöteten Nuno João Lourenço. Nachdem das deutsche Fußballteam 1998 bei der Weltmeisterschaft der Männer gegen die Auswahl aus Kroatien verloren hat, zieht eine Gruppe Rechtsextremer los, um ihren Frust an "Ausländern" abzulassen. Als sie auf Lourenço treffen, treten sie mehrmals mit Stahlkappenschuhen gegen dessen Kopf. Wenige Monate nach der Tat stirbt ihr Mann an den Folgen der Attacke. Nach der Gerichtsverhandlung ist Frau N. hoch verschuldet. Das Gericht versäumte damals eine Kostenentscheidung bezüglich der Nebenklage. Infolgedessen blieb die Witwe auf den Anwalts- und Reisekosten sitzen. Um Frau N. neben der psychischen Belastung wenigstens finanziell unter die Arme zu greifen, hat der Opferfonds CURA einen Teil der Anwaltskosten beglichen.

Dieser Fall zeigt beispielhaft welche Lücken staatliches Handeln bis heute in Bezug auf Opferentschädigung aufweist: Denn obwohl Nuno João Lourenço auch von offizieller Seite als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt wird, kämpft Frau N. immer noch für Entschädigungszahlungen aus dem staatlichen Härtefall-Fonds.

Diese Beispiele zeigen eindringlich, wie wichtig der Opferfonds CURA ist. Damit Betroffenen rechter Gewalt auch in Zukunft schnell und unbürokratisch geholfen werden kann, brauchen wir Ihre Unterstützung. Helfen Sie uns mit Ihrer Spende!
 

Anna Brausam vom 6.1.2015

 
 
 
 

Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 - wir erinnern an...

Todesopfer rechter Gewalt seit 1990

In Deutschland wurden seit dem Wendejahr 1990 mindestens 178 Menschen Opfer rechtsextremer oder rassistischer Gewalt. Informationen über die Problematik der offiziellen Statistik und die komplette Liste der Todesfälle finden Sie hier.

 

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