Betroffene rechter Gewalt werden nicht allein gelassen

Im Jahr 2013 gab es erneut viele brutale Übergriffe von Nazis. Im Zuge der aktuellen Hetze gegen Flüchtlingsunterkünfte hat der Opferfonds CURA der Amadeu Antonio Stiftung insbesondere bei Übergriffen gegen Asylsuchende schnelle und unbürokratische Hilfe geleistet. Mit insgesamt 26.179,38 Euro aus dem Opferfonds CURA konnten 25 Betroffenen rechter Gewalt und Institutionen wie Opferberatungsstellen finanziell unterstützt werden.

Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen, weil sie politisch verfolgt werden oder einfach keine Perspektive mehr in ihrem Land sehen, suchen Schutz in einem anderen Land. Mit nicht viel im Gepäck außer ein paar persönlichen Sachen und der Hoffnung auf ein friedlicheres Leben. Die wenigsten verlassen ihr Land freiwillig, sondern die äußeren Umstände zwingen sie dazu Familie und Freunde zurückzulassen. Asyl zu bekommen ist keine Gnade, welche ein Staat einem Menschen gewährt, sondern es ist das Recht eines jeden Menschen.

Unterstützung für Asylsuchende in Prenzlau


Umso beschämender ist es dann, wenn Menschen, die nach Deutschland kommen, um Asyl zu suchen, erneut Angst vor gewalttätigen Übergriffen haben müssen. So auch im Fall des 27-jährigen Herrn K.. Der aus Palästina stammende Mann wohnt als Asylsuchender in Prenzlau in der Uckermark. Innerhalb kürzester Zeit wurde er zweimal angegriffen. Anfang Oktober wurde er zusammen mit drei Freunden von einem deutschen Mann rassistisch beleidigt und ins Gesicht geschlagen. Auch als bereits die Polizei vor Ort war, wurden die Geflüchteten weiter rassistisch von dem Mann beleidigt. Aus Angst vor dem Täter verließ Herr K. drei Tage nicht die Sammelunterkunft. Als er dann jedoch kurz Zigaretten holen wollte, wurde er zusammen mit einem Freund erneut von zwei bis heute unbekannten Männern rassistisch beschimpft. Die Flüchtlinge liefen zunächst einfach weiter. Doch die Männer kamen hinterher und griffen die beiden Asylsuchenden an – mit einem Schlagstock und einem Messer. Sein Begleiter wurde dabei so schwer verletzt, dass er mehrere Tage im Krankenhaus verbringen musste. Herr K. flüchtete nach diesen traumatischen Ereignissen aus Prenzlau und hält sich seitdem in Berlin auf. Hier befindet er sich nun in medizinischer und psychologischer Behandlung. Der Opferfonds CURA hilft ihm dabei, in den Alltag zurückzukehren.

Neben der aktiven finanziellen Unterstützung von Asylsuchenden ist jedoch auch die Arbeit jener wichtig, die Geflüchtete in ihrem Alltag begleiten – sei es zu Behörden, Ärzten oder Elternsprechtagen an Schulen. Eine Flüchtlingsfamilie aus Inguschetien lebt ebenfalls in der Sammelunterkunft für Geflüchtete in Prenzlau. Seit ihrer Unterbringung sind vor allem die Kinder immer wieder rassistisch motivierten Angriffen ausgesetzt. So wurde unter anderem der 12-jährige Sohn von Mitschülern so schwer verprügelt, dass er zwei Wochen im Krankenhaus verbringen musste. Auch die beiden Töchter wurden bedroht, rassistisch beleidigt und attackiert. Die Mutter lebt seitdem in ständiger Angst um ihre Kinder. Auch die Kinder sind traumatisiert. Infolgedessen gehen sie nur sehr unregelmäßig zur Schule und verlassen kaum die Unterkunft. Neben dieser psychischen Belastung ist die Mutter körperlich schwer krank. Um der Familie in dieser besonders belastenden Situation Hilfe zu bieten, konnte durch die Unterstützung des Opferfonds CURA eine Familienhelferin organisiert werden, die sich ehrenamtlich mit sehr viel Herz und Kraft für die Flüchtlingsfamilie einsetzt.

Eine neue Existenz für Herrn V. aus Pirna

Doch nicht nur Geflüchtete sind den Bedrohungen durch Neonazis ausgesetzt. Auch Menschen, die bereits seit Jahren ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland gefunden haben, sind sie hier doch geboren und aufgewachsen, werden Opfer von Rechtsextremen. Diese Erfahrung musste auch der Betreiber eines Imbisses in Pirna machen. Am 21. August 2013 wurde von einer Anwohnerin der Brand des Imbiss-Wagens gemeldet. „Ich lebe seit 30 Jahren in Pirna und habe mich bisher sehr wohl gefühlt. Dass mir innerhalb weniger Minuten meine Lebensgrundlage genommen wurde, erschüttert und belastet mich sehr.“ Kurz nach der Tat stellte die Polizei fest, dass es sich um Brandstiftung handelte. Der Besitzer hatte erst im März diesen Jahres sein Geschäft eröffnet: „Das Geschäft lief gut, weil ich weit und breit der einzige Asia-Imbiss-Betreiber war und der Imbiss an einem größeren Einkaufskomplex und in der Näher der Schule stand. Der Imbiss ist meine Existenzgrundlage. Ich musste jetzt Arbeitslosengeld II beantragen“, so der Imbissbetreiber. Doch Herr V. ließ sich von den Brandstiftern nicht einschüchtern. Ihm war es wichtig, schnell wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Mit Hilfe von Bekannten konnte ein gebrauchter Imbisswagen erworben und gemeinsam renoviert werden. Der Opferfonds CURA hat Herrn V. geholfen seine Existenz wieder aufzubauen.

Eine Vielzahl von Betroffenen rechter Gewalt

Neben dem Fall in Pirna hat der Opferfonds CURA noch eine Vielzahl weiterer Personen unterstützt, die Opfer rassistischer Angriffe wurden. Herr J. wurde am 11. Dezember 2010 in Dortmund Opfer eines rechtsextremen Übergriffs. An diesem Abend hielt er sich in der Dortmunder Innenstadt in der Kneipe HirschQ auf, als im Laufe des Abends circa 15 Neonazis der „Skinhead-Front Dortmund-Dorstfeld“ zunächst von außen mit Pflastersteinen auf die Glasfront der Kneipe warfen und dann auch versuchten hineinzugelangen. Gäste hatten noch versucht die Tür zu verbarrikadieren - vergeblich. Herr J. wurde von den Nazis rausgezerrt und mit Tritten und Schlägen attackiert. Als er zu Boden sank, prügelten sie weiter auf ihn ein und fügten ihm mehrere Stiche mit einem Messer zu. Nach dem Angriff wurde Herr J. im Rettungswagen notversorgt und in ein Krankenhaus gebracht. Erst im Juni 2013 beginnt der Prozess gegen neun der Neonazi-Angreifer. Herr J. ist seit dem Angriff in psychotherapeutischer Behandlung, deren Fortsetzung durch den Prozessbeginn unerlässlich ist. Bei dem Angriff ist auch Herrn J.s Brille zerbrochen, die er seitdem notdürftig durch eine Brille vom Supermarkt ersetzte. Der Opferfonds CURA stellte das Geld für eine angepasste Brille vom Optiker zur Verfügung.

Auch Familie K. in einer Kreisstadt in Bayern konnte der Opferfonds CURA unterstützen: Am 29. Juli 2012 um 2:30 Uhr wollte der Familienvater K. in der Nacht etwas essen. Es war gerade Ramadan, wo es Muslimen nur gestattet ist in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und -aufgang zu essen. Durch ein einsehbares, beleuchtetes Fenster wurde Herr K. dabei von Unbekannten beobachtet, die daraufhin die zwei Fensterscheiben einschlugen. Die Polizei geht von einer politisch rechts motivierten Tat aus. Da die Täter nicht ermittelt wurden, hat der Opferfonds CURA die Selbstbeteiligung der Familie beim Einbau neuer Fensterscheiben übernommen.

Ihre Spende hilft!


Ihrer Spende ist es zu verdanken, dass wir Familie K. und all den anderen Betroffenen rechter Gewalt schnelle und unbürokratische Hilfe leisten konnten. Ihre Spende hilft uns, diese Unterstützung auch im Jahr 2014 zu leisten. Schon ein geringer Betrag hilft, Betroffenen rassistischer Gewalt eine schnelle Rückkehr in einen normalen Alltag zu ermöglichen. Helfen Sie uns jetzt mit Ihrer Spende!

Anna Brausam vom 6.1.2014

 
 
 
 

Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 - wir erinnern an...

Todesopfer rechter Gewalt seit 1990

In Deutschland wurden seit dem Wendejahr 1990 mindestens 178 Menschen Opfer rechtsextremer oder rassistischer Gewalt. Informationen über die Problematik der offiziellen Statistik und die komplette Liste der Todesfälle finden Sie hier.

 

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