Foto: Robert Kreibig

 

Engagierte im Visier rechter Gewalt – Anschlag auf Vereinshaus in Schmarsow

Nur Tage, nachdem Jugendliche aus Israel im ehemaligen Kleinbahnhof in Schmarsow untergebracht waren, dringen Unbekannte in das Gebäude ein und hinterlassen einen Ort der Verwüstung – samt eingeritztem Hakenkreuz. Der Opferfonds CURA der Amadeu Antonio Stiftung lässt die Betroffenen nicht allein!

Von Maximilian Kirstein

Schmarsow könnte als Sinnbild des vorpommerschen Hinterlands gelten. Dennoch ist der abgeschiedene Ortsteil der Gemeinde Kruckow, welche nur rund 650 Einwohner_innen zählt, ein wichtiger Anlaufpunkt zahlreicher Arbeits- und Begegnungsprojekte. Dies ist in erster Linie Land und Leute e.V. zu verdanken: Der ortsansässige Verein hat hierfür den ehemaligen Kleinbahnhof der Gemeinde hergerichtet und der Region wieder Leben eingehaucht. Wenige Tage, nachdem israelische Jugendliche dort untergebracht waren, wurde das Gebäude völlig verwüstet. Die Eindringlinge schlugen Fenster ein, demolierten mehrere Türen, Stühle und einen Tischkicker, zudem warfen sie Möbel aus dem Obergeschoss nach draußen. Eine Drohung und Beleg ihrer Motivation hinterließen die Täter_innen auch: In die Couch schlitzten sie mit einer Sense ein Hakenkreuz.

Bereits 2012 war in die Räume des Bahnhofs eingebrochen worden. „Allerdings handelte es sich damals offensichtlich um Diebstahl, da die Täter alles mitgenommen haben“, berichtet Robert Kreibig, Geschäftsführer des Vereins. Das offensichtliche Ausmaß des Schadens spreche in diesem Fall jedoch eindeutig für Vandalismus, das Hakenkreuz gebe zudem Hinweise auf ein antisemitisches bzw. rechtsextremes Motiv. Besonders der Aufenthalt der israelischen Jugendlichen wenige Tage zuvor gibt Anlass zu dieser Vermutung. „Eigentlich haben wir in Schmarsow keine Probleme mit organisierten Neonazis, dafür ist der Ort einfach zu klein“, meint Kreibig. „Wenn Nazis organisiert gegen unseren Verein vorgehen wollten, hätten sie das Gebäude gleich abgefackelt.“ Heruntergespielt werden sollte der Vorfall jedoch keineswegs. Er ist sich sicher, dass die Täter_innen ein Zeichen setzen wollten.

Die Bürgermeisterin der Gemeinde zeigte sich betroffen, auch Anwohner_innen sind beunruhigt. Am tiefsten sitzt der Schock jedoch bei den Vereinsmitgliedern. Zum einen ist der Bahnhof rund 120 Jahre alt, was die ohnehin langwierigen und teuren Renovierungsarbeiten nicht einfacher macht. Zum anderen hat der Vorfall die Sicherheitslage, gerade für Jugendliche aus Israel, einschneidend geändert.

Um dem Verein Land und Leute e.V., der im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommern wertvolle zivilgesellschaftliche Arbeit leistet, bei dieser doppelten Belastung beizustehen, unterstützt der Opferfonds CURA der Amadeu Antonio Stiftung die notwendigen Renovierungsarbeiten mit 2.000€, damit der Verein seine Arbeit schnell wieder wie gewohnt aufnehmen kann. Der Opferfonds CURA unterstützt Opfer rechtsextremer Gewalt dank der Hilfe zahlreicher Spender_innen mit finanziellen Mitteln. Allein im Jahr 2016 wurde CURA in 38 Fällen mit über 60.000€ aktiv.

 
 
 
 

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