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Andauernde Attacken auf jüdisches Restaurant - CURA bittet um Spenden

1.5.2012 Mitten in Chemnitz kommt es seit Jahren immer wieder zu rechten Anschlägen auf den Verein Schalom e.V. und das gleichnamige Restaurant. Zeit, sich mit dem Betreiber solidarisch zu zeigen und konkret zu helfen.

 

 

Uwe Dziuballa hat viel erlebt: Geburt in der ehemaligen DDR, frühe Kindheit im ehemaligen Jugoslawien, jahrelanger Aufenthalt in den USA. Diese Zeit hat ihn besonders geprägt, „Ich habe in den USA erlebt, wie jüdisches Leben zum Alltag gehören kann. Der Umgang mit dem Judentum erfolgt dort, ohne das Fingerspitzengefühl notwendig wäre. Ähnliches wollten wir auch in Deutschland ermöglichen.“
Er kehrte zurück in seine Heimatstadt. Mit dem Ziel, deutsch-jüdisches Leben wieder stärker in die Alltagskultur der Bundesrepublik einzubinden, gründete Uwe Dziuballa zusammen mit sechs anderen Engagierten 1998 den Verein Schalom e.V.in Chemnitz. Mit über 140 Mitgliedern aus den unterschiedlichsten Ländern und mit seinen vielfältigen Angeboten bildet der Verein oft die erste Anlaufstelle für jüdische Einwanderer in der Region.


Koschere Insel mitten in Chemnitz

Die jüdische Gemeinde ist seit der Wende stark gewachsen und besucht regelmäßig die von Dziuballa organisierten Veranstaltungen, wie Lesungen oder Klezmer Abende. Um aber auch die nicht-jüdischen Bewohner noch stärker für die jüdische Kultur zu begeistern, eröffnete er im Jahr 1999 ein gleichnamiges Restaurant in der Innenstadt. „Und wir glaubten daran, über das Kulinarische den ‚Aha-Effekt‘ bei den Leuten zu erreichen.“
Mit diesem Ansatz leistet der Verein Schalom e.V. ein beispielloses Engagement für den Fortbestand und die Etablierung einer Normalität jüdischen Lebens in Deutschland. Doch von dieser Normalität ist die Stadt Chemnitz noch weit entfernt. Diskriminierungen und Angriffe, auf das Schalom und seinen Betreiber Uwe Dziuballa sind die alltägliche Realität.


Alltagsterror mitten in Chemnitz- Schweineköpfe auf der Türschwelle

Man kann und man mag es nicht glauben, aber die Bilanz der Drohungen, Diskriminierungen und Zerstörungen ist lang - sehr lang.
Immer wieder ist Uwe Dziuballa antisemitischen Anfeindungen und Bedrohungen ausgesetzt. Zwar gibt es auch einzelne Solidaritätsbekundungen, dennoch sieht sich das Schalom und sein Betreiber mit einem ständigen antisemitischen Hass konfrontiert. So gingen in all den Jahren über 1.500 Drohanrufe ein. Auch die Reifen seines Autos wurden schon mehrfach zerstochen.
Neben den persönlichen Attacken, steht auch das Restaurant unter ständigen Anfeindungen. Seit dem Bestehen, gibt es ungefähr alle zwei Monate einen Anschlag auf das Restaurant. Mal wird der Briefkasten zerstört, dann wird das Ladenschild demoliert oder Hakenkreuze an die Wand geschmiert. Auch liebevoll arrangierte Blumenkästen oder Sitzmöbel für den Außenbereich des Restaurants, alles wurde mindestens schon einmal beschädigt oder komplett zerstört. Ebenso wie die Scheiben des Lokals, regelmäßig muss Uwe Dziuballa massenhaft Scherben beseitigen und neue Scheiben einsetzen lassen.
Ein drastischer Höhepunkt des Terrors: immer wieder liegen mit Hakenkreuz beschmierte, bluttriefende Schweineköpfe auf der Türschwelle des Restaurants.
Die Zahl der rechtsextremen Anschläge auf das Restaurant geht in die Hunderte – von den Tätern wurde bis heute kein einziger gefasst.


Fels in der Brandung

Für den Wirt sind Antisemitismus und Anfeindungen Alltag, doch die Sehnsucht nach einer deutsch-jüdischen Normalität noch lange nicht gestillt. Auch wenn Uwe Dziuballa durch die Geschehnisse zur Opferrolle verdammt ist, möchte er nicht aufhören. Ganz im Gegenteil!
„Ohne überheblich zu klingen, bin ich durch die Arbeit in der Breite im Verein so etwas wie eine Symbolfigur geworden, an der sich Leute aufrichten – ich sehe meine Aufgabe als eine Art Fels in der Brandung. Aufzuhören wäre ein komplett falsches Signal an Teile der Gesellschaft, die Hilfe brauchen. Es ist eine Trotz-Reaktion auf das Nicht-Akzeptieren wollen.“
Diese Einstellung, dieser Mut, dieses bedingungslose Engagement verdient höchsten Respekt und unsere Anerkennung, aber auch noch viel mehr als das.
Denn der Kampf um die Normalität kostet nicht bloß Nerven, Energie und Zeit, sondern vor allem eines: Geld. Die entstandenen Sachschäden der letzten Jahre belaufen sich auf rund 41.000 Euro.
Viel Geld für einen kleinen Laden. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass es wohl auch zukünftig wieder zu Anschlägen kommen wird. Umso wichtiger ist es jetzt, den Verein und das Restaurant konkret zu unterstützen und sich solidarisch zu zeigen.

Diana Buhe

Helfen Sie mit und unterstützen sie Uwe Dziuballa und den Verein Schalom e.V. mit einer zweckgebundenen Spende!

Kennwort: Schalom Chemnitz
Spendenkonto:
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BLZ 509 700 04
Konto 030 331 331
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Zur ZDF-Dokumentation über Uwe Dziuballa und das Restaurant Schalom

 
 
 
 

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