09.08.2002, Ahmet Sarlak

Saarland

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taz

Am 9. August 2002 wird Ahmet Sarlak in Sulzbach (Saarland) von einem Neonazi mit einem Messer fünfmal in Bauch und Brust gestochen. Der 19-Jährige mit türkischem Migrationshintergrund stirbt am nächsten Tag an den Folgen seiner schweren Verletzungen. Als die Wohnung des Täters von der Polizei durchsucht wird, werden dort Faustfeuerwaffen und eine Hakenkreuzfahne sichergestellt. Kurz nach der Tat nennt die Staatsanwaltschaft als Tatmotiv "Ausländerhass". Aus nichtigstem Anlass heraus habe der Neonazi, Carlos N., den jungen Türken brutal niedergestochen – Ahmet Sarlak soll dem Täter vor der tödlichen Attacke achtlos eine Zigarettenkippe an den Kopf geschnipst haben. Drei Monate später wird von der Staatsanwaltschaft Saarbrücken Anklage erhoben. In dieser findet sich jedoch mit keinem Wort mehr, dass der Tat ein fremdenfeindliches Motiv zu Grunde liegt. Ahmet S. wird lediglich noch als der "andere Festbesucher" bezeichnet – die rechtsextreme Gesinnung des Täters findet keine Berücksichtigung mehr. Auch von Mord ist nicht mehr die Rede. Carlos N. wird lediglich wegen Totschlags angeklagt. Die Tat sei nicht aus latentem "Fremdenhass" begangen worden, sondern Folge einer "gewaltsamen Auseinandersetzung aus nichtigem Grund" gewesen. Auf die Frage der taz, wenn der "Kippenschnipper" ein Deutscher gewesen wäre, ob Carlos N. auch diesen mit dem Messer attackiert hätte, sagte die Staatsanwältin, dass sie diese "hypothetische Frage" nicht beantworten könne. Aber man habe ihm eben nicht nachweisen können, dass er nur zustach, weil der "andere Festbesucher" ein Ausländer war. Das Landgericht Saarbrücken verurteilt den Neonazi zu sechs Jahren Haft. "Was den Angeklagten zu seiner Tat veranlasst hat, weiß nur er selbst", heißt es im Urteil.

Der Sprecher der türkischen Gemeinde im Saarland, Emin Sahin zeigte sich damals bestürzt über den Umgang mit der Tat, da das eigentliche Motiv der Tat heruntergespielt und der Vorfall damit verharmlost werde.

 
 
 

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