11.07.1996, Boris Morawek

Mecklenburg-Vorpommern

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Der Tagesspiegel

Der 26-jährige Boris Morawek wird am Abend des 11. Juli 1996 auf dem Thälmann-Platz in Wolgast (Mecklenburg-Vorpommern) von zwei betrunkenen 19- und 22-jährigen Neonazis mit Springerstiefeln und Faustschlägen massiv attackiert. Zeugen rufen daraufhin die Polizei. Als diese eintrifft, verhindern sie nicht, dass die Neonazis weiter auf den am Boden liegenden Mann eintreten. Vielmehr rechtfertigt der 22-jährige Haupttäter Andreas J. seine Tritte gegen den Kopf des Opfers gegenüber zwei uniformierten Beamten damit, dass Boris Morawek ein 3-jähriges Mädchen missbraucht habe. "Kinderschänder" hätten keine Rechte mehr, äußert er gegenüber der Polizei. Erst als Bereitschaftspolizei eintrifft, werden Andreas J. und sein Mittäter festgenommen. Boris Morawek stirbt zwei Tage später an seinen schweren Kopfverletzungen. Das Landgericht Stralsund verurteilt den einschlägig vorbestraften Andreas J. im Januar 1998 wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren Haft, sein Mittäter erhält eine Jugendstrafe von fünf Jahren. Einen rechten Hintergrund will das Gericht nicht erkennen. Andreas J. kann auch in der Haft seiner menschenverachtenden Gesinnung frönen: Mit der Neonazi-Band "Staatssturm" nimmt er rechte Songs auf, die seine "Kameraden" im Internet veröffentlichen.

Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern eine rechtsextreme Motivation nicht anerkennen will. Dass vor allem Rechtsextreme das Thema Kindesmissbrauch mit ihren ideologischen Inhalten besetzen, ist hinlänglich bekannt. So propagieren sie, wie Andreas J., dass Kinderschänder“ keine Rechte mehr hätten und fordern die „Todesstrafe für Kinderschänder“. Setzten die Mörder von Wolgast somit nicht einfach die in der rechten Szene so präsente Forderung „Todesstrafe für Kinderschänder“ in die Tat um? Sie handelten damit sehr wohl politisch motiviert. Deshalb sollte der Mord an Boris Morawek in jedem Falle in der offiziellen Statistik der Tötungsdelikte PMK-rechts aufgenommen werden.

 
 
 

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