28.07.1993, Hans-Georg Jakobson

Brandenburg

Mehr:
DIE ZEIT

In der Nacht zum 28. Juli 1993 stirbt der Arbeitslose Hans-Georg Jakobson nahe Strausberg (Brandenburg). Er wurde von drei rechten Skinheads aus einer fahrenden S-Bahn gestoßen. Vor diesem tödlichen Stoß haben die Täter den schlafenden 35-Jährigen mit Schlägen und Tritten traktiert. Einer der Täter gibt an, sie wollten Hans-Georg Jakobson einen "Denkzettel" verpassen, weil das Opfer kein Geld bei sich habe. Dem 20-jährigen Haupttäter Rene B., der bereits einschlägig vorbestraft war, attestiert das Landgericht Frankfurt (Oder) eine erhebliche kriminelle Energie, sowie eine besondere Brutalität gegenüber Ausländern. Im Januar 1994 wird er wegen Mordes zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt. Die 17- und 18-jährigen Mittäter Henry G. und Thomas D. erhalten eine Jugendhaftstrafe von sechs Jahren.

Es ist der 28. Juli 1993 als Hans-Georg Jakobson mit der S-Bahn Richtung Ostberlin fahren will. Als der Zug gegen 23 Uhr in Strausberg (Brandenburg) hält, steigt eine Gruppe Neonazis hinzu: René Berger (20), Henry Günther (19) und Thomas Domke (18). Die drei Auszubildenden sind stark alkoholisiert. Sie fassen den Entschluss „jemanden aufzuklatschen“, um sich Geld zu beschaffen. Die drei Männer entdecken den 35-jährigen arbeitslosen Hans-Georg Jakobson schlafend in einem leeren Abteil. Das äußere Erscheinungsbild Jakobsons ließ jedoch darauf schließen, dass keine nennenswerten Geldbeträge zu erwarten sind. Dies bestätigt auch ein psychologisches Gutachten der Täter: Es ging ihnen nicht um die Erbeutung von Geld, sondern um das Schlagen des Opfers. Die Gruppe Neonazis fällt über Jakobson her, prügelt und tritt immer wieder auf ihn ein, durchwühlt seine Taschen nach Geld. Sie erbeuten 2,50 DM und stoßen ihn bei Petershagen aus der fahrenden S-Bahn. Ein S-Bahnfahrer findet Jakobson, auf den Schienen liegend, vor. Schwer verletzt wird er ins Krankenhaus eingeliefert, stirbt Stunden später jedoch an seinen schweren Verletzungen. Nach der brutalen und tödlichen Attacke bedrohen die Schläger in Strausberg-Vorstadt zwei weitere Personen mit einer Gaspistole. Die Wiedererkennung Thomas Domkes an einem Imbiss durch einen der Betroffenen führt einen Tag später zur Verhaftung. Der Haupttäter René Berger erhält acht Jahre Jugendstrafe. Während seiner Haftzeit erhält er nicht nur Unterstützung durch die HNG („Hilfsorganisation für nationale Gefangene und deren Angehörige“), sondern wird im Gefängnis auch der Kopf einer rechten Häftlingsgruppe. Auch nach seiner Entlassung im Jahre 1998 bewegt er sich aktiv in der rechtsextremen Szene: er organisiert Rechtsrock-Konzerte, schreibt für rechte Blätter wie das Fanzine Feuer&Sturm oder die Nachrichten der HNG und steigt in die mittlerweile verbotene Kameradschaft ANSDAPO („Alternative Nationale Strausberger Dart-, Piercing- und Tattoo-Offensive“«) ein. (Quelle: Junge Welt "Ein unbekanntes Neonaziopfer"). Die rassistischen Einstellungen der Täter spielten mindestens tatbegleitend bis tateskalierend eine Rolle.

 
 
 

Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 - wir erinnern an...

Todesopfer rechter Gewalt seit 1990

In Deutschland wurden seit dem Wendejahr 1990 mindestens 178 Menschen Opfer rechtsextremer oder rassistischer Gewalt. Informationen über die Problematik der offiziellen Statistik und die komplette Liste der Todesfälle finden Sie hier.

 

Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 auf einer größeren Karte anzeigen
 

Spendenkonto

Opferfonds CURA der Amadeu Antonio Stiftung
GLS Bank Bochum
BLZ 430 609 67
Konto 6005 0000 02
IBAN: DE75 4306 0967 6005 0000 02
BIC: GENODEM1GLS

 

Ein Projekt der

 
 

Transparenz und Kontrolle

 

Die Amadeu Antonio Stiftung nimmt teil an der 'Initiative Transparente Zivilgesellschaft'.