14.07.2007, M. S.

Schleswig-Holstein

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DIE ZEIT

In der Nacht zum 14. Juli 2007 wird der 17-jährige M. S. von dem ehemaligen NPD-Mitglied Garvin K. in Brinjahe (Schleswig-Holstein) mit einer Eisenstange erschlagen. Das Opfer hatte früher Kontakt zu einer rechtsextremen Clique, sich aber inzwischen von der Szene gelöst. Vor der tödlichen Attacke wurde der 17-Jährige von dem 23-jährigen Bundeswehrsoldaten auf einer Privatfeier bereits mehrfach geschlagen. Nachdem sich die Gruppe zu einem Waldfest begibt, spricht das Opfer zwei Polizisten an, die eine Anzeige gegen Unbekannt aufnehmen. Die Gruppe um K. trifft auf dem Heimweg an einem Waldweg erneut auf das Opfer. Als die Gruppe bei M.S. ein Polizei-Merkblatt zum Thema Opferschutz in seiner Hosentasche finden, wird er als "Spitzel" beschimpft, weil er einen aus der Gruppe angezeigt habe. Garvin K. fordert ihn auf das Infoblatt laut vorzulesen und schlägt ihm dann mindestens sechs Mal mit der Eisenstange auf den Kopf. Nach der Tat verbrennt der Täter das Merkblatt und geht mit Freunden in einem Fast-Food-Restaurant essen. Das Landgericht Kiel verurteilt im Februar 2008 den Angeklagten Garvin K. wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren und sechs Monaten.

Der Mord an M.S. zeigt beispielhaft ein eklatantes Defizit der PMK-rechts Statistik. Da Täter und Opfer (der sich zum Tatzeitpunkt jedoch bereits von der rechten Szene distanziert hatte) aus dem rechtsextremen Milieu kamen, schließen sie eine politisch motivierte Tat aus. Für die Bundesregierung handelt es sich daher nicht um eine Tat des Phänomenbereiches PMK-rechts: Aus dem Erfassungssystem fallen oftmals all jene Tötungsdelikte, bei denen für die Behörden keine "spezifisch" rechte Opferkategorie erkennbar ist. Dabei verkennen sie jedoch die Tatsache, dass internen Streitereien, wie hier, die tödliche Auseinandersetzung mit einem "Verräter", durchaus ein politisches Motiv zugrunde liegt. Der ideologische Kontext des Täters sollte nicht ignoriert werden, wird doch dadurch die Hemmschwelle zur exzessiven Gewalt an einem Menschen gesenkt.

 
 
 

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