17.06.2012, Klaus-Peter Kühn

Thüringen

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Thüringer Allgemeine

Es ist der Abend des 16. Juni 2012 als zwei Brüder im Alter von 17 und 23 Jahren sowie einem 19-jährigen Bekannten in Suhl (Thüringen) im Plattenbauviertel Nord in die Wohnung des 59-jährigen Klaus-Peter Kühn eindringen. Die Gruppe von jungen Männern fordert Geld für Alkohol von Klaus-Peter Kühn. Er gibt ihnen zwei Euro. Als sie in dessen Wohnung jedoch weitere 25 Euro in einer Schrankwand finden, ist das der Beginn eines Martyriums für den 59-Jährigen. Immer wieder schlagen sie auf den Mann ein, zertrümmern einen Stuhl auf seinem Kopf, werfen eine Tischplatte auf das wehrlose Opfer und einer der Täter springt auf die Platte. Zudem werfen sie einen Fernseher auf ihn. Die Täter verlassen kurz die Wohnung, um sich an einer naheliegenden Tankstelle von dem erbeuteten Geld Alkohol zu kaufen. Sie kehren jedoch zurück und zeigen ihre Menschenverachtung für den "Penner", wie ihn die Täter später gegenüber der Polizei bezeichnen, indem sie auf den Schwerverletzten urinieren und ihm glühende Zigarettenstummel in die Nasenlöcher stecken. Erst jetzt verlassen sie die Wohnung endgültig. "Die Obduktion ergibt, dass Klaus-Peter Kühn an den Folgen dieser schweren inneren wie äußeren Verletzungen am Vormittag, des 17. Juni 2012, stirbt." Er wird erst vier Tage später von einem Sozialarbeiter, der den 59-Jährigen betreut, gefunden.

Im Januar 2013 verurteilt das Landgericht Meiningen die Brüder Manuel und Christopher K. wegen Mordes in Tateinheit mit versuchter besonders schwerer Erpressung. "Der Ältere erhält elf Jahre Haft, der Jüngere eine Jugendstrafe von neun Jahren." Wegen einer schweren Krebserkrankung des dritten Angeklagten, wurde sein Verfahren von dem der anderen abgetrennt. Die drei jungen Männer waren bereits einschlägig wegen Diebstählen und gefährlicher Körperverletzungen vorbestraft; der jüngste Täter auch wegen Hakenkreuzschmierereien. "Zudem war er mit einer Party am Geburtstag Adolf Hitlers aufgefallen." Die Vorsitzende Richterin betont in der Urteilsbegründung, die drei hätten "ihr Opfer nicht mehr als Mensch wahrgenommen". In einem Gespräch im März mit Tagesspiegel und "Die Zeit" bescheinigt die Richterin den Tätern eine "sozialdarwinistische Lebenseinstellung".

Obwohl die Richterin den Tätern ein sozialdarwinistisches Motiv attestierte, wurde die schwere Erpressung als tatbestimmendes Moment im Urteilsspruch gewertet. Es bleibt abzuwarten, ob sich das ´Thüringer Innenministerium nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Selbstenttarnung des NSU dazu entscheiden wird, diesen Fall aufgrund der eindeutigen sozialdarwinistischen Motivation der Täter in die offizielle Statistik der "politisch motivierten Kriminalität-rechts" aufzunehmen. Denn bei dem Prozess zeigten sich Beobachter wie Prozessteilnehmer entsetzt über das Auftreten der Angeklagten. Bei den Vernehmungen, so die als Zeugen geladenen Kriminalbeamten, hätten die Angeklagten das Opfer als "Penner", "Kunde" und "Spinner" bezeichnet. Auf einem Vernehmungsvideo lächelt der 18-jährige Täter. Immer wieder kam es zu Zwischenrufen der Angeklagten wie: "Wollen Sie mich verarschen oder was?". Von Reue keine Spur.

 
 
 

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