29.03.2003, Enrico Schreiber

Brandenburg

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Der Tagesspiegel

In der Nacht zum 29. März 2003 wird der ehemalige Punk Enrico Schreiber in Frankfurt/Oder (Brandenburg) so schwer misshandelt, dass er an den Folgen im Krankenhaus stirbt. Drei rechtsextreme junge Männer hatten Enrico Schreiber mehr als zwei Stunden in einer Plattenbauwohnung gefoltert. Einer der Täter, Stephan B. (20), sprang auf dem wehrlosen Opfer herum. Überdies wurde mit einer Metallstange auf Enrico Schreiber eingeschlagen und durch Messerstiche in sein Bein verletzt. Die Brüder Marco S. (26) und Daniel S. (21) prügelten mit. Am Ende der Tortur stahlen die Täter noch eine Playstation, Schreibers Handy und seine Geldbörse. Als ihnen für die EC-Karte der PIN fehlt, verletzen sie ihr Opfer noch einmal mit Messerstichen, um seine Geheimnummer in Erfahrung zu bringen. Als das Opfer nicht mehr reagiert, sagt einer der Täter: "Der stirbt sowieso". Im Prozess berichten mehrere Zeugen, die Rechtsextremen hätten nach der Tat geäußert, "es war ja nur ein Punk". Das Landgericht Frankfurt/Oder wertet den Gewaltexzess als Mord und verurteilt im Dezember 2003 Marco S. zu zwölf Jahren Haft, sein Bruder Daniel erhält sieben Jahre Jugendstrafe, bei Stephan B. sind es acht Jahre. Die Anwältin von Enricos Mutter, die sie als Nebenklägerin vertrat, plädierte dafür den rechtsextremen Kontext der Täter nicht zu ignorieren. Denn die drei Neonazis hätten sich ihr Opfer – einen Punk – bewusst ausgewählt. So betont das Gericht dann zwar, dass die "rechte Gesinnung der Täter nicht zu übersehen war", sieht jedoch trotzdem kein rechtsextreme Motivation bei der Tat. Rassistische Einstellungen der Täter spielten mindestens eine tatbegleitende Rolle.

 
 
 

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