05.11.2001, Ingo B.

Berlin

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Berliner Senatsverwaltung für Inneres (PDF-Dokument, 116.1 KB)

Ingo B. wird am 5. November 2001 von drei Rechtsextremisten über einen längeren Zeitraum in Berlin massiv geprügelt und gewürgt. Außerdem wirken die Täter mit ihrem gesamten Körpergewicht auf den Brustkorb ihres Opfers ein. Der 36-jährige Ingo B. ist schwer herzkrank. Am Tag danach erleidet er einen Herzinfarkt und stirbt. Die Angreifer wollten angeblich Schulden in Höhe von 40 Mark eintreiben. Das Landgericht Berlin verhängt Freiheitsstrafen zwischen dreieinhalb und sechseinhalb Jahren. Die geringen Strafen begründet das Gericht damit, dass sich die Angeklagten "über die Folgen ihres Handelns keine Gedanken gemacht" hätten. Der Gewaltexzess wird als Körperverletzung mit Todesfolge gewertet. Die rechte Gesinnung der Täter findet keine Berücksichtigung – obwohl einer der Angreifer bereits wegen eines weiteren Delikts der Körperverletzung verurteilt wurde. Damals hatte der Neonazi Anfang 2001 einen Jugendlichen erst gefragt, ob er Ausländer sei und dann auf ihn eingetreten.

Berlins Innensenator Frank Henkel sieht in der Tat keinen rechtsextremen Hintergrund, da die Täter vom Opfer "Bargeld forderten" und Ingo B. zudem schwer herzgeschädigt gewesen sei. Hier zeigt sich, wie all jene Tötungsdelikte aus der offiziellen Statistik PMK-rechts rausfallen, die als Raubüberfälle getarnt werden. Der ideologische Kontext der Täter muss eine stärkere Berücksichtigung erfahren, sinkt doch dadurch die Hemmschwelle zur exzessiven Gewalt an einem Menschen.

 
 
 

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