08.10.1999, Hans-Werner Gärtner (staatlich anerkannt)

Sachsen-Anhalt

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Rheinische Post

Der 37-jährige Hans-Werner Gärtner, der seit einer Hirnhautentzünduing geisig behindert ist, wird in der Nacht zum 8. Oktober 1999 in Löbejün (Sachsen-Anhalt) von drei jungen Männern zu Tode gequält. Die Täter im Alter von 25 bis 27 Jahren trafen ihr Opfer zufällig an einer Tankstelle. Sie wollten ihm "eine Lektion" erteilen, weil Hans-Werner Gärtner gegen die Männer Anzeige erhoben hatte: Sie hatten den 37-Jährigen zuvor schon wegen seiner Behinderung misshandelt. Vor Gericht wird die Brutalität ihres Handelns offengelegt: Hans-Werner Gärtner wurde über Stunden gequält, geschlagen und getreten. Die Täter haben ihn unter anderem in der Dunkelheit eines 1,5 Meter tiefen Gullys gefangen gehalten. Später zerren sie ihn in den Kofferraum eines Autos und fahren mit dem völlig wehrlosen Opfer zum einem Steinbruch. Dort tauchen sie ihn mehrfach im eiskalten Wasser unter und schlagen brutal auf den 37-jährigen ein. Sie bringen den schwerverletzten Mann in die Nähe seines Wohnortes und lassen ihn blutüberströmt am Straßenrand liegen. In den frühen Morgenstunden des 8. Oktober stirbt Hans-Werner Gärtner an seinen schweren Verletzungen. "Den bringen wir um, der ist nicht lebensfähig", habe einer der Täter während der mehrstündigen Misshandlungen geäußert. Ein Jahr später, im Oktober 2000, verurteilt das Landgericht Halle die Täter wegen Mordes zu lebenslangen Haftstrafen. Die Strafkammer sah es als erwiesen an, dass die Männer den 37-Jährigen aus niederen Beweggründen im Oktober 1999 gemeinschaftlich umgebracht hattne. Bei der Urteilsverkündung sagt der vorsitzende Richter, die Angeklagten hätten einen Menschen, der am Rande der Gesellschaft lebte, sinnlos getötet.

Erst im Mai 2012 wird Hans-Werner Gärtner von der Landesregierung Sachsen-Anhalt als ein Todesopfer rechter Gewalt offiziell anerkannt. Der Grund für eine Überprüfung der bisher nicht-anerkannten Todesopfer rechter Gewalt war die Selbstenttarnung des NSU im November 2011. Es ist bedauerlich, dass sich die politischen Verantwortlichen in Sachsen-Anhalt erst angesichts einer neonazistischen Mordserie dazu durchringen konnten, Altfälle noch einmal zu prüfen. Zivilgesellschaftliche Organisationen forderten dies bereits seit mehreren Jahren. Es ist ein wichtiges Signal, dass Hans-Werner Gärtner nun offiziell anerkannt wurde. Denn Menschen mit Behinderung sind eine Opfergruppe rechter Gewalt, die von der Öffentlichkeit oftmals kaum wahrgenommen wird.

 
 
 

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