27.10.1991, Mete Ekşi

Berlin

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Berliner Zeitung

Am 27. Oktober 1991 wird der 19-jährige Mete Ekşi in Berlin am Kurfürstendamm bei einer Schlägerei zwischen deutschen und türkischen Jugendlichen so schwer am Kopf verletzt, dass er am 13. November 1991 an den Folgen der Attacke stirbt. Der Auseinandersetzung vorausgegangen war eine Beleidigung von Seiten der drei deutschen Jugendlichen. Einer der drei Brüder S. ruft der türkischen Gruppe entgegen „gefälligst Deutsch und nicht Türkisch zu reden“. Die Deutsch-Türken pöbeln zurück, es kommt zu einer Schlägerei, bei der ein türkischer Jugendlicher einen Baseballschläger aus dem Auto holt. Der 23-jährige Michael S. entreißt ihm den Schläger, schwenkt ihn herum und schlägt ihn auf den Kopf von Mete Ekşi. Der 19-Jährige bricht zusammen, fällt ins Koma und stirbt drei Wochen später im Krankenhaus. Die Tat erschüttert die Stadt Berlin. Keine zwei Monate zuvor, im September 1991, wurde das Flüchtlingsheim in Hoyerswerda angegriffen. Auch in Berlin ist die Stimmung aufgeheizt, verbale und physische Attacken auf Migrantinnen und Migranten sind an der Tagesordnung: Mete Ekşi ist ein Todesopfer dieses Klima des Hasses. Am 16. November 1991 findet ein Trauermarsch in Gedenken an den 19-Jährigen vom Adenauerplatz, dem Tatort, zum Rathaus Schöneberg statt, 5000 Menschen sind gekommen. Erst zweieinhalb Jahre nach der Tat findet der Prozess gegen die drei Brüder statt. Michael S. Anwalt betont, dass keine rechtsextreme Motivation bestehe und dass es ein „unglücklicher Zufall“ sei, dass der Angeklagte bereits wegen der Vergewaltigung einer türkischen Frau eine Haftstrafe hat verbüßen müssen. Der Grund für die Prügelei – die Verunglimpfung der türkisch sprechenden Jugendlichen – konnte aufgrund von widersprüchlichen Zeugenaussagen vor Gericht nicht bewiesen werden. Aus diesem Grund sah das Gericht keine rechte Motivation bei dem Haupttäter und seinen zwei jüngeren Brüdern. Michael S. wurde daher wegen Körperverletzung mit Todesfolge nur zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Heute erinnert ein Gedenkstein am Adenauerplatz in Berlin an den 19-jährigen Mete Ekşi. Zudem gründeten der Türkische Elternverein Berlin-Brandenburg e.V. und der Landesverband Berlin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft einen Mete Ekşi Fonds. Der Fonds vergibt jährlich einen Preis in Höhe von 3.000 Euro an Jugendliche oder Jugendgruppen, die sich für ein friedliches, tolerantes und gleichberechtigtes Zusammenleben aller Jugendlichen in Berlin einsetzen.

 
 
 

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In Deutschland wurden seit dem Wendejahr 1990 mindestens 178 Menschen Opfer rechtsextremer oder rassistischer Gewalt. Informationen über die Problematik der offiziellen Statistik und die komplette Liste der Todesfälle finden Sie hier.

 

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