03.10.1999, Patrick Thürmer (staatlich anerkannt)

In der Nacht des 3. Oktober 1999 wird der 17-jährige Patrick Thürmer auf dem Heimweg von einem Punkfestival in Hohenstein-Ernstthal (Sachsen) von drei Männern überfallen, die mit ihrem Auto Jagd auf Punks machen. Die Täter prügeln mit einem Axtstiel und einem Billardqueue auf den Malerlehrling ein. In den frühen Morgenstunden wird Patrick Thürmer mit schweren Kopfverletzungen gefunden. Wenige Stunden später stirbt er im Zwickauer Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen. In jener Nacht gab es einen Angriff von drei Dutzend Neonazis auf das Punkfestival, das auch der Malerlehrling besucht hatte. Als die Punks glauben die Gruppe Neonazis befinden sich in der Diskothek "La Belle", kommt es zu einem Gegenangriff. Vor Gericht heißt es, der Malerlehrling Patrick Thürmer starb "stellvertretend für jene Linken", die an dem Angriff auf die Diskothek beteiligt gewesen seien. Ein rechtsextremes Motiv sieht das Gericht dennoch nicht. Im September 2000 verurteilt das Landgericht Chemnitz den 23-jährigen Haupttäter wegen Totschlages zu elf Jahren Haft.

Erst 2012 wird Achmed Bachir von der Landesregierung Sachsen als ein Todesopfer rechter Gewalt offiziell anerkannt. Der Grund für eine Überprüfung der bisher nicht-anerkannten Todesopfer rechter Gewalt war die Selbstenttarnung des NSU im November 2011. Es ist bedauerlich, dass sich die politischen Verantwortlichen in Sachsen erst angesichts einer neonazistischen Mordserie dazu durchringen konnten, Altfälle noch einmal zu prüfen. Zivilgesellschaftliche Organisationen forderten dies bereits seit mehreren Jahren.

Fast sechs Jahre nach Patrick Thürmers Tod wurde die Diskothek "La Belle" noch einmal zum Schauplatz rechtsextremer Umtriebe. Im März 2006 gab es eine Razzia in jener Diskothek, da ein Chemnitzer die Räumlichkeiten für eine “private Feier“ gemietet hatte. Diese “private Feier“ entpuppte sich allerdings als ein illegales Rechtsrock-Konzert mit 500 Teilnehmern.

Die Initiative "erinnern:nachdenken:handeln" setzt sich für ein würdiges Gedenken an Patrick Thürmer ein.

 
 
 

Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 - wir erinnern an...

Todesopfer rechter Gewalt seit 1990

In Deutschland wurden seit dem Wendejahr 1990 mindestens 188 Menschen Opfer rechtsextremer oder rassistischer Gewalt. Informationen über die Problematik der offiziellen Statistik und die komplette Liste der Todesfälle finden Sie hier.

 

Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 auf einer größeren Karte anzeigen
 

Spendenkonto

Opferfonds CURA der Amadeu Antonio Stiftung
GLS Bank Bochum
IBAN: DE75 4306 0967 6005 0000 02
BIC: GENODEM1GLS

 

Ein Projekt der

 
 

Transparenz und Kontrolle

 

Die Amadeu Antonio Stiftung nimmt teil an der 'Initiative Transparente Zivilgesellschaft'.