27.09.1997, Georg Uhl

Brandenburg

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DIE ZEIT

Am 27. September 1997 wird Georg Uhl in Cottbus (Brandenburg) vom 19-jährigen Skinhead Reinhold K. getötet; das Motiv sind geringfügige Geldschulden. Vier Tage zuvor hatte der Rechtsextremist bereits den 39-Jährigen Matthias Scheydt erstochen, nachdem dieser ihn als "Nazi-Sau" bezeichnet hatte. Der Verfassungsschutz nennt K. einen "extrem aggressiven Einzelgänger, der seine rechtsextremistischen Ansichten offen kundtat". Das Landgericht Cottbus sieht keinen rechtsradikalen Hintergrund. K. wird am 24. März 1998 wegen zweifachen Totschlags zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt.

Aufgrund des Forschungsprojekts zur Überprüfung von Altfällen durch das Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam, bei dem die Amadeu Antonio Stiftung in beratender Funktion im Expertenarbeitskreis mitwirkte, hat sich die Stiftung dazu entschieden, den Fall von Georg Uhl nun als Verdachtsfall zu führen. Bei Matthias Scheydt ist eindeutig erwiesen, dass K. den 39-Järhigen aus rechten Motiven getötet hat. Bei Georg Uhl gestaltet sich die Bewertung schwieriger. Ein Problem ist die Tatsache, dass es in beiden Fällen ausschließlich die Aussagen des Täters gibt. Es gibt keinerlei Zeugen der Tat. Dafür spricht, ist das K. ein aggressiver Einzeltäter ist, der seine rechte Gesinnung offen zur Schau stellt. Zudem wird Uhl mit einem Strick um den Hals gefunden, Würgemale finden sich jedoch nicht. Auch Scheydt wird vor der tödlichen Attacke aufgefordert sich zu entkleiden. Der Gutachter wirft deshalb die Frage auf, ob er derartige Handlungen ausführt, um sein Opfer zu demütigen und Macht zu demonstrieren. Handelt es sich hier um ein sozialdarwinistisches Motiv? Dem Verdacht des Gutachters wird nicht weiter nachgegangen, weshalb das Motiv bis heute unklar bleibt.

 
 
 

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